Prof. Dr. Klaus Wiemann
Forschungsprojekte und Arbeitsgebiete

 


Sportmotorik:
Leiter: Prof. Dr. Klaus Wiemann

Inhalt:
a) Auslösung und Steuerung motorischer Aktionen
b) Bewegungswahrnehmung und Bewegungsvorstellung
c) Rhythmus im Sport
d) Ethologische Ursprungstheorie sportlicher Handlungen



a) Auslösung und Steuerung motorischer Aktionen

Kurzcharakterisierung des Projektes:
Das motorische Verhalten des Menschen unterscheidet sich von dem der übrigen Säuger durch seine enorme Variabilität. Während die Tiere bis hin zu den nicht hominiden Primaten durch ihre arteigenen unveränderbare Erbmotorik an ihre jeweiligen ökologische Nische gebunden sind, konnte sich der Mensch während seiner Entwicklung durch die „Erfindung“ komplizierter motorischer Äußerungen in immer extremere und fremdere Lebensbereiche vorwagen und sich zu immer höheren handwerklichen, sportmotorischen und künstlerischen Leistungen aufschwingen.
Die Ursachen zu dieser Variabilität im motorischen Verhalten des Menschen müssen in der Struktur und der Funktion des Gehirns gesucht werden. Im Bemühen der Hirnforschung, die Funktionsweise tierischer und menschlicher Gehirne aufzuzeigen, scheinen sich mit dem Fortgang der Forschungen die früher vermuteten qualitativen Differenzen mehr und mehr auf quantitative, graduelle Unterschiede zu reduzieren. Dennoch muss zumindest eine funktionelle Differenz bestehen, die die Voraussetzung für die Variabilität der menschlichen Motorik liefert.
Durch eine Betrachtung der stammesgeschichtlichen Entwicklung bzw. funktionellen Ausdifferenzierung der Auslöse- und Hemmungsmechanismen motorischen Verhaltens wird versucht, denjenigen hypothetischen Mechanismus zu entwerfen, der die Besonderheit in der menschlichen Motorik, nämlich das interne Komponieren von Verhaltensweisen, die bisher im Verhaltensrepertoire bzw. in der Erbmotorik nicht vorhanden waren, erst ermöglicht.

(Detaillierter Bericht)

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b) Bewegungswahrnehmung und Bewegungsvorstellung

Einführung:
Die  Abhandlungen zur Bewegungswahrnehmung und Bewegungsvorstellung dienen dem Zweck, die bewussten Phänomene in der unmittelbaren Vorbereitung einer motorischen Aktion, während des Ablaufes der Aktion und unmittelbar nach Abklingen der Aktion aus psychobiologischer bzw. sensu- und sensomotorischer  Sicht deutlich zu machen. Letztendlich wird motorisches Lernen im Sport als eine Neukombination von Bewegungsvorstellungen erklärt. Damit stellt die Abhandlung eine theoretische Voraussetzung für planende Maßnahmen in der Methodik des Sports dar. Die Inhalte beziehen sich aus diesem Grunde vorwiegend auf das Bedingungsfeld der körperlichen Bewegung, speziell des Sports und richten sich somit an Sportlehrer, Trainer und Studierende des Faches Sport. Für das erfolgreiche Bearbeiten sind Grundlagenkenntnisse zum Bau des ZNS und der sensorischen Systeme hilfreich, die anhand der Literatur (z.B.: SCHMIDT, R.F.: Medizinische Biologie des Menschen. München 1983, Kap. 9 - 14) erworben werden können.

Definition und hirnbiologische Bedeutung der "Bewegungsvorstellung" orientieren sich hier an den Befunden von ECCLES u.a. zur Planung und Exekution von Bewegungen durch das Hirn (s. KLAUS WIEMANN: Zum Phänomen der Bewegungsvorstellung aus hirnbiologischer Sicht)

Vollständiger Text "
Bewegungswahrnehmung und Bewegungsvorstellung": [download (pdf-Datei, 1,5 MB)]

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c) Rythmus im Sport

Einführung:
Unterrichtsmaßnahmen, die die Aufmerksamkeit der Schüler auf Bewegungsrhythmen lenken sollen, können primär zwei Ziele verfolgen. Einerseits soll durch die Bewusstmachung der ablaufspezifischen dynamischen Struktur die Qualität des Bewegungsablaufes verbessert und in Bewegungsverbindungen eine fließende Bewegungsweise garantiert werden, ohne dass die Einzelelemente ihre rhythmischen Qualität einbüßen. Andererseits kann durch zyklisch- rhythmisierte Bewegungswiederholung das Rhythmuserlebnis der Schüler intensiviert werden. Es wird deutlich gemacht,  dass sich beide Ziele sowohl aus biomechanischen als auch aus koordinativen Gründen nur schwer miteinander verbinden lassen und welche dieser Bedingungen zu berücksichtigen sind, um das Erreichen dieser Ziele nicht zu gefährden.
Unterrichtliche Maßnahmen, die zum Ziel haben, einem Beobachter von außen ein rhythmisches Erlebnis zu produzieren, sind kritisch zu betrachten, dies vor allem dann, wenn sich der Beurteiler nicht darüber im Klaren ist, dass das im Bewusstsein auftretende dynamisch-zeitliche Bild nicht identisch sein muss mit dem dynamisch-zeitlichen Erleben des beobachteten Bewegers. Dies trifft z.B. bei Gruppenvorführungen zu, bei denen das Gesamtbild aller Beweger im Überblick zwar im Zuschauer einen rhythmischen Eindruck vermittelt, im Erleben des einzelnen Individuum aber durchaus Störungen im Bewegungsfluss auftreten können, die vom Beurteiler aufgrund der aufzuzeigenden Grenzen in der visuellen Wahrnehmung in der Regel übersehen werden.

Vollständiger Text:


Rhythmus wahrnehmen – realisieren – lehren
( In: KOTTMANN / SCHALLER / STIBBE (Hrsg.): Sportpädagogik – zwischen Kontinuität und Innovation. Schorndorf 1999: 164-176.) [download (pdf-Datei)]


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d) Ethologische Ursprungstheorie sportlicher Handlungen

Überblick:
Die herausragenden Momente in der Phylogenese des Menschen - die Aufrichtung zur Bipedie, die enorme strukturelle Entwicklung des Gehirns, die Neothenie in bezug auf den Spiel- und Explorationstrieb, der erst allmähliche, dann explosionsartige Fortschritt der kulturellen Leistungen, die Hypertrophie der intraspezifischen Aggression und die Ausgestaltung des Soziallebens - bedingen einander wechselseitig. Die besondere Triebstruktur im Hinblick auf Spiel, Exploration und Aggressivität einerseits und die besondere Struktur der Sozietäten andererseits bilden die Quellen der Genese sportlicher Spiele und des Wettkampfsports. Sportliche Betätigungen sind Ventilsitten zur Reduzierung des durch die betreffenden physiologischen Antriebsmechanismen bedingten Triebstaues. Sport ist ein Mittel zur Bewältigung der besonderen Situation des menschlichen Soziallebens.

Vollständiger Text:

Die Phylogenese des menschlichen Verhaltens im Hinblick auf die Entwicklung sportlicher Betätigung
(aus: Ueberhorst, H. (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen. Bd. 1. Berlin u.a. 1972) [download (pdf-Datei)]


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